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Was haben Sonderwerkzeuge mit Fruchtgummi zu tun?

02.06.2017

Fruchtgummi, wer liebt es nicht? Eigentlich doch jeder, oder? Kennst Du den Werbespruch "Haribo macht Kinder froh, und Erwachsene ebenso"?

Ich verwette eine große Tüte Gummibärchen, dass Du den Slogan jetzt im Stillen mitgesungen hast ;-)

Vorweg, in diesem Praxis Fall geht es nicht um den berühmten Süßwarenhersteller aus Bonn. Unser Kunde ist zwar auch Zulieferer für die Süßwarenindustrie, bedient aber andere Kunden.

Bevor die Leckereien nun aber in den Supermärkten ankommen, müssen diese erstmal produziert werden. Dies geschieht unter anderem indem, das flüssige Fruchtgummi in Formen gegossen wird. Viele solcher Formen stellt nun unser Kunde mit Leidenschaft und Präzision her.

Ausgangslage

Die Platten für die Formen werden in regelmäßigen Abständen gefertigt und unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander. In die Gießplatte müssen auf der einen Seite ca. 400 Bohrungen als Einspritzkanal gebohrt werden, auf der anderen Seite kommen entsprechend viele Stufenbohrungen mit Gewinde rein, damit dann anschließend die Spritzdüsen eingeschraubt werden.

Unser Kunde hatte sich für diese Aufträge einen gesamten Prozess, von der Konstruktion über die Programmierung der Maschine, die Bearbeitung der Platte, bis hin zur Auslieferung an den Kunden erarbeitet. Der Prozess lief über die Jahre hin sauber durch.

Optimierungspotential

Als Werkzeugeinsatz-Optimierer bin ich immer auf der Suche nach Verbesserungspotential in der Fertigung meiner Kunden, und spreche dies regelmäßig mit ihnen durch.

So auch in diesem Fall. Ich habe mir vom Geschäftsführer den Prozess beschreiben lassen und auch über die eingesetzten Werkzeuge einen Blick geworfen.

Auf den ersten Blick sah alles gut aus. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass der eigentliche Engpass in der Bearbeitungszeit der Platte lag. Die Seite mit den Stufenbohrungen und den Gewinden hat inklusive der Rüst- und Werkzeugwechselzeiten eine Laufzeit von fast 9,5 Stunden.

In der Zeit war die Maschine blockiert und ein Mitarbeiter gebunden. Der Geschäftsführer und ich waren uns einig, diesen Engpass galt es zu beseitigen.

Ich habe mir die Rahmenbedingungen und die Maschine angesehen, und welch eine Freude: die Maschine hatte sogar innere Kühlmittelzufuhr. Das ist ja super, dachte ich mir - das bietet tolle Optionen für Hochleistungswerkzeuge und Einsparpotential.

Für das zu bearbeitende Material (CuSn12) habe ich dem Kunden folgende Werkzeuge empfohlen:

  • Maschinengewindebohrer mit innerer Kühlmittelzufuhr
  • ein passendes Ausgleichsfutter, ebenfalls mit innerer Kühlmittelzufuhr
  • Kombiwerkzeug zu Herstellung der Kernlochbohrung bei gleichzeitiger Ansenkung inkl. Fase, ebenfalls mit innerer Kühlmittelzufuhr

 

Ergebnis dieses Fertigungsauftrags

Aufgrund der Optimierung hat der Kunde hier einen gigantischen Zeitvorteil erreicht: die gesamte Bearbeitungszeit der Stufenbohrungen und der Gewinde wurde (inkl. Rüst-und Werkzeugwechselzeiten) von ca. 9,5 Stunden auf knapp unter 1 Stunde reduziert!

Diese Optimierung des Fertigungsprozesses hat auch für die Zukunft des Kunden noch weitere positive Folgen

  • die Maschine steht wesentlich früher für andere Aufträge zur Verfügung
  • der Fertigungsprozess wird insegsamt günstiger, der Deckungsbeitrag steigt
  • die Lieferzusagen an den Süßwarenhersteller können nun flexibler zugesagt werden, Stress und Druck nehmen ab
  • es werden Werkzeuge eingespart

In diesem Fall hatte die verkürzte Bearbeitung noch einen weiteren Vorteil. Der Lieferant des Vormaterials hatte, entgegen seiner Zusage, das Material mit einer Lieferverzögerung von einer Woche geliefert.

Dumm an der Sache war, dass unser Kunde seinem Kunden wiederum eine Lieferzusage gemacht hat und die Produktion für die Süßigkeiten schon terminiert war. Der Geschäftsführer konnte das aufziehende Gewitter schon erahnen, wenn nicht pünktlich geliefert wird.

Ich denke jeder aus unserer Branche kennt die Anrufe unsere Kunden, wenn wir die Zusagen nicht einhalten. Dann steigt der Puls ruck-zuck von 0 auf 180 in einer Sekunde und die Schweißperlen tropfen von der Stirn, das ist nun wirklich nicht angenehm.

Dieses Szenario ist hier aber, Gott sei Dank, nicht eingetreten - schließlich hat die Bearbeitung nur eine knappe Stunde in Anspruch genommen.

Daraufhin hat der Chef sich erstmal ein paar Süßigkeiten gegönnt, diese bekommt er freundlicherweise von seinem Kunden regelmäßig geschenkt ;-)

 

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